ENSO
Das Akronym ENSO setzt sich zusammen aus "El Niño" und "Southern Oscillation" (span. El Niño - Oscilación del Sur, ENOS) und ist der Ausdruck, der gegenwärtig für das gesamte ozeanisch-atmosphärische Phänomen (also das Abwechseln von El Niño- und La Niña-Ereignissen und der neutralen Phasen) verwendet wird. Dabei steht El Niño (und - auch wenn nicht ausdrücklich im Namen erwähnt - La Niña) für die ozeanische Komponente, während die Southern Oscillation (SO) die atmosphärische verkörpert. Letztere stellt eine Art Druckschaukel zwischen dem südostasiatisch-australischen Tiefdruckgebiet (als Messwert wird der Bodendruck von Jakarta, Indonesien, herangezogen) und dem südostpazifischen Hochdruckgebiet (Messwert von Tahiti) dar. Bei einem steigenden Luftdruck im Tiefdruckgebiet über Indonesien fällt der Luftdruck im südostpazifischen Hoch, und die Differenz zwischen beiden Druckgebilden nimmt ab.
Sir Gilbert Walker hatte bei seinen Studien über die Beziehungen des Indischen Monsuns zu meteorologischen Verhältnissen in anderen Gebieten der Erde den Mechanismus der Southern Oscillation beschrieben und benannt (Walker und Bliss 1932). Nach Vorarbeiten von Berlage (1966) wurde die Verknüpfung von El Niño und der Südlichen Oszillation von dem in die USA emigrierten Norweger Jacob Bjerknes in den späten 1960er Jahren geleistet. Er wertete dazu die Messdaten aus, die während des Internationalen Geophysikalischen Jahres 1957/58 zusammengetragen wurden. Zufälligerweise trat während dieser Zeit eine starke El Niño-Episode auf. Einen guten Überblick über die Begriffsgeschichte vom lokalen El Niño zum globalen ENSO im modernen Verständnis geben Zebiak et al. (2014).
Der ENSO-Mechanismus beinhaltet drei Phasen: El Niño, La Niña und die sogenannten neutralen Zwischenphasen. Letztere heißen auch - etwas irreleitend - Normalphasen, "normal" sind aber auch die anderen Teile des Zyklus.
| El Niño-Bedingungen im äquatorialen Pazifik Während eines El Niño-Ereignisses schwächen sich die Passatwinde ab oder kehren sich sogar um und erlauben es dem Gebiet des anomal warmen Wassers sich in den zentralen und östlichen Teil des tropischen Pazifiks zu verlagern. Diese wärmeren als üblichen Ozeantemperaturen sind verbunden mit einer Absenkung der Thermokline vom zentralen bis zum östlichen Pazifik. Auch trägt ein schwächeres Upwelling von kühlerem Wasser aus der Tiefe zu höheren Meeresoberflächentemperaturen bei. |
| Zum Vergleich der Pazifik während der Neutralphase Im neutralen Zustand (weder El Niño noch La Niña) wehen die Passatwinde von Ost nach West über die Oberfläche des tropischen Pazifiks, bringen warme, feuchte Luft und wärmeres Oberflächenwasser in Richtung des westlichen Pazifiks und halten den zentralen Pazifik relativ kühl. Die Thermokline ist im Westen tiefer als im Osten. Warme Meeresoberflächentemperaturen im westlichen Pazifik pumpen Wärme und Feuchtigkeit in die darüber liegende Atmosphäre. In einem Prozess, der als atmosphärische Konvektion bekannt ist, steigt diese warme Luft hoch in die Atmosphäre auf und verursacht, wenn die Luft feucht genug ist, aufsteigende Cumulonimbuswolken und Regen. Diese nun trockenere Luft reist dann nach Osten, bevor sie über den kühleren östlichen tropischen Pazifik absteigt. Das Muster der Luft, die im Westen aufsteigt und im Osten fällt, wobei sich die Luft an der Oberfläche westwärts bewegt, wird als Walker-Zirkulation bezeichnet. |
| La Niña-Bedingungen im äquatorialen Pazifik Während eines La Niña-Ereignisses intensiviert sich die Walker-Zirkulation mit verstärkter Konvektion über dem westlichen Pazifik und stärkeren Passatwinden. Da die Passatwinde stärker werden, beschränkt sich der Pool an wärmerem Wasser auf den westlichen tropischen Pazifik, was zu höheren Meeresoberflächentemperaturen als üblich in der Region nördlich von Australien führt. Die Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen tropischen Pazifik werden kühler als üblich, und die Sprungschicht rückt näher an die Oberfläche - kühles Wasser aus der Tiefe wird durch den verstärkten Auftrieb an die Oberfläche gezogen. Quelle: BOM |
ENSO - Gekoppeltes System
Um die Geschehnisse während eines ENSO-Ereignisses oder während der Neutral-Phase des ENSO-Zyklus zu verstehen, muss man sich bewusst machen, dass der äquatoriale Pazifik als gekoppeltes System agiert, da der Zustand des Ozeans und der Atmosphäre voneinander abhängen. Wenn die Bedingungen des Ozeans sich ändern, reagiert die Atmosphäre und umgekehrt. Die Hauptindikatoren dieser Änderungen sind der Luftdruck und die Meerestemperaturen. Störungen im Ozean, die Veränderungen der wesentlichen Temperaturmuster verursachen, beeinflussen die Winde in diesem gekoppelten System, was zu einer positiven Rückkopplungsschleife führen kann. Diese verstärkt kleine Änderungen im Zustand des Ozeans und führt zu einem ENSO-Ereignis.
ENSO - Oszillatorischer Charakter
Obwohl die El Niños und die La Niñas oft als "Ereignisse" (engl. events) bezeichnet werden, die etwa ein Jahr andauern, besitzt ENSO als Ganzes einen oszillatorischen Charakter (Trenberth 2013). Der Ozean ist eine Feuchtigkeitsquelle für die Atmosphäre und seine riesige Wärmekapazität agiert als Schwungrad, welches das System Ozean-Atmosphäre über seine 'Erinnerung' an Vergangenes antreibt. Dies führt zu einem im Wesentlichen sich selbst erhaltenden Ablauf, bei dem der Ozean sich nie im Gleichgewicht mit der Atmosphäre befindet. So baut sich als Vorbereitung zu El Niño eine große Menge warmen Wassers in den Tropen auf (westpazifischer Warmwasserkörper), die dann während eines El Niño wieder abgebaut wird. Während der Kaltphase (La Niña) mit ihrem relativ klaren Himmel, heizt die Sonnenstrahlung den tropischen Pazifik wieder auf, die Wärme wird von Meeresströmungen verteilt, wobei der größte Teil in dem tiefen Warmwasserkörper des Westpazifik und in Äquatornähe bei ca. 10° oder 20°N gespeichert wird.
| Western Pacific Warm Pool Auch im Neutralzustand sind die Temperaturen im tropischen Pazifik zwischen Ost und West verschieden. Beispielsweise besitzt der westpazifische Warmwasserkörper großflächig mit die wärmsten Ozeantemperaturen weltweit. Während eines ENSO-Ereignisses werden die Ozeantemperaturen an verschiedenen Stellen wärmer oder kühler als üblich, was sich in den Temperaturgradienten der Ozeantemperaturen zeigt. Diese Temperaturgradienten quer über den Pazifik, sowohl an der Oberfläche als auch im Wasser darunter, insbesondere an der Thermokline, werden als wesentlicher Motor von ENSO angesehen. Quelle: BOM |
Während El Niño wird Wärme im Ozean aus den Tropen in höhere Breiten transportiert, und überschüssige Wärme wird an die Atmosphäre abgegeben, vor allem als verstärkte Verdunstung, wodurch der Ozean wiederum gekühlt wird. Verstärkte Niederschläge tragen zu einer allgemeinen Erwärmung der globalen Atmosphäre bei, die ihr Maximum einige Monate nach einem starken El Niño erreicht. Aus diesem Grund wird vermutet, dass die Zeitskala von ENSO durch die Zeit bestimmt wird, die für eine Ansammlung von warmem Wasser in den Tropen beötigt wird, um das System neu aufzuladen, plus der Zeit, die der El Niño zu seiner Entwicklung benötigt. Daher wird ein wesentlicher Teil des Beginns und der Entwicklung der Ereignisse von den Abläufen bestimmt, die ein oder zwei Jahre zuvor geschehen sind. Dies bedeutet auch, dass die künftige Entwicklung mehrere Jahreszeiten zuvor potentiell vorhersagbar ist.
Veränderungen in Atmosphäre und Ozean beim Übergang von La Niña zu El Niño (NASA)
El Niño/Southern Oscillation (ENSO) ist ein gekoppeltes Phänomen von Ozean und Atmosphäre, welches das globale Wetter beeinflusst, z. B. Niederschläge und Dürren. Wir verwenden mehrere NASA- und NOAA-Datenprodukte (siehe hier), um die Interaktion zwischen Ozean und Atmosphäre während des Übergangs von La Niña 2021 zu El Niño 2023 zu visualisieren. Die Visualisierung ist ein umfassender Erklärer, der die Veränderungen in den oberen 300 Metern des Pazifischen Ozeans (wie die Abschwächung der Thermokline und die ostwärts gerichtete Bewegung der warmen Temperaturanomalien) und die Veränderungen in der unteren Atmosphäre (z. B. die Walker-Zirkulation) zeigt. Es ist einer der ersten Versuche, die Walker-Zirkulation und ihren konvektiven Zweig, der sich über den Pazifik bewegt, ohne schematische Darstellungen, sondern anhand von verifizierten Modellergebnissen zu visualisieren.
Wir beginnen mit der Darstellung der Oberflächentemperatur rund um den Globus und zoomen dann in den äquatorialen Pazifik hinein, um unter der Oberfläche den Temperaturgradienten im Pazifik zu sehen und wie dieser Gradient die Bewegung des warmen Wassers vom Westpazifik zum Ostpazifik beim Übergang von La Niña zu El Niño antreibt.
Anschließend zeigen wir die Abweichung der Oberflächentemperatur von den normalen Bedingungen anstelle der absoluten Temperatur an. Dies wird als Anomalie der Meeresoberflächentemperatur bezeichnet. Die Skala zeigt die Abweichung der Meeresoberflächentemperatur vom Normalwert im zentralen Pazifik (das schwarze Rechteck, auch bekannt als Nino 3.4-Region). Dies wird als Maß dafür verwendet, wie stark die El Niño- und La Niña-Ereignisse.
Neben der Temperatur ändert sich auch der Meeresspiegel. Während La Niña ist der Meeresspiegel im Allgemeinen niedriger als normal, während El Niño höher als normal. Diese Veränderungen werden hauptsächlich durch die Winde an der Meeresoberfläche verursacht. Während La Niña drücken die starken Passatwinde aus Westen das Oberflächenwasser nach Westen. Wenn die Passatwinde schwächer werden, schwappt das warme Oberflächenwasser zurück in den Zentralpazifik, was zu einem El Niño im Zentralpazifik führt.
Wir sehen uns die Anomalien der Meeresoberflächentemperatur und -höhe genauer an, indem wir uns den Untergrund am Äquator ansehen. Dieser Temperatur- und Höhenkontrast über dem Pazifik ist mit der atmosphärischen Zirkulation direkt über dem Ozean verbunden, der so genannten Walker-Zirkulation. Dies wird durch Windvektoranomalien veranschaulicht.
Während La Niña führen die warmen Wassermassen im Westpazifik der Luft zusätzliche Wärme zu, was zu einer Aufwärtsbewegung führt, bei der es mehr Wolken und Niederschläge gibt. Beim Übergang zu El Niño schwächen sich die Oberflächenpassatwinde ab, die Warmwasseranomalien breiten sich ostwärts aus, und der konvektive aufsteigende Zweig der Walker-Zirkulation verlagert sich in den zentralen und östlichen Pazifik.
Diese Veränderungen in der Atmosphäre und im Ozean beeinflussen das globale Wetter. Wir zeigen die Auswirkungen von El Niño und La Niña, indem wir aufzeigen, wo sich die Niederschläge verändern.
Wir veranschaulichen auch die Auswirkungen von ENSO auf das Meeresleben. Während La Niña gibt es mehr Auftrieb von kaltem Wasser vor der Küste Perus. Daher gibt es eine höhere Population von Zooplankton, das Fischschwärme anzieht.
Quelle: NASA 2024
ENSO - Wirkungsgebiete
Während das engere Wirkungsgebiet von ENSO im Bereich des tropischen Pazifik liegt, scheint es viele Telekonnektionen zu geben, die im Zusammenhang mit ENSO stehen. So werden die Variabilitäten des indischen Monsuns und die Hurrikanhäufigkeit in Mittel- und Nordamerika eng mit ENSO in Verbindung gebracht. Der tropische Pazifik weist unter allen Ozeanen die stärksten Schwankungen der Oberflächentemperatur innerhalb von Zeitspannen auf, die von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren reichen. Da diese Meeresregion auch das Weltklima besonders stark prägt, wirken sich die Temperaturschwankungen erheblich auf das globale Klimageschehen aus. (s. Kapitel Globale Auswirkungen)
| Zum Start der Animation auf die Grafik klicken Quelle: NOAA / AMNH | Von El Niño zu La Niña (Animation) Im Jahr 2010 verschob sich das El Niño-Klimamuster schnell zu einem der mächtigsten La Niñas seit fünfzig Jahren, was zu dramatischen Überschwemmungen in Australien sowie zu anderen Extremwetterlagen bis zum Frühjahr 2011 führte. Anhand von Temperaturdaten der Meeresoberfläche und Daten zu globalen Wolkenmustern zeigen diese Datenvisualisierungen die markante ENSO-Zyklusverschiebung des Jahres 2010 sowie das daraus resultierende Extremwetter. Die folgenden Datensätze sind in jedem Film enthalten:
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ENSO - Unter der Oberfläche
ENSO-Ereignisse werden typischerweise angestoßen und aufrechterhalten durch Änderungen des Wärmegehalts der Wassermassen unter der Oberfläche des tropischen Pazifiks.
Der tiefere Ozean ist wichtig für die Justierung der Stärke eines Ereignisses und damit für seine potentielle Dauer. Diese großen Wärmevorräte (El Niño) oder Wärmedefizite verhalten sich wie ein Schwungrad und stellen sicher, dass ein Ereignis nicht rasch wieder verschwindet. Beispielsweise waren bei dem El Niño-Ereignis von 1997–98 - manche sehen es als das stärkste des vergangenen Jahrhunderts an - die Meeresoberflächentemperaturen im östlichen tropischen Pazifik etwa 3,5 °C wärmer als normal, aber die Temperaturen in 150 m Tiefe lagen bis zu 8 °C über dem Durchschnitt. Umgekehrt waren die Oberflächentemperaturen im Ostpazifik während der La Niña von 2010-2011 bis zu 2 °C kühler als normal, aber die Temperaturen unter der Oberfläche lagen fast 7 °C unter dem Durchschnitt.
Solche starken Veränderungen im tieferen Ozean stellen sicher, dass das Oberflächenwasser warm, beziehungsweise kühl bleibt, auch wenn die Atmosphäre darüber versucht, das System wieder in den neutralen Zustand zurückzudrängen, und so kann ein ENSO-Ereignis länger erhalten werden.
Häufig lässt man ein ENSO-Jahr im Hinblick auf die drei Kategorien kalt, neutral und warm im Jahresviertel Oktober-November-Dezember beginnen und im Jahresviertel Juli-August-September enden (JMA-Index). Der ENSO-Zyklus weist ein hohes Maß an Unregelmäßigkeit auf. Keine zwei El Niños sind genau gleich. Dasselbe gilt für La Niñas.
Im Allgemeinen tendieren El Niño-Ereignisse dazu, nicht länger als ein Jahr zu dauern, wohingegen mehrjährige La Niña-Ereignisse nicht ungewöhnlich sind. Beispielsweise dauerte die 1998–2001 La Niña drei aufeinanderfolgende Jahre an, vom südhemisphärischen Herbst 1998 bis zum Herbst 2001.
ENSO - Historische Übersicht
Die folgende Tabelle mit den Werten des Oceanic Niño Index der NOAA gibt eine historische Übersicht über die ENSO-Phasen ab dem Jahr 1950. Sie beinhaltet die saisonale Abweichung von Meeresoberflächentemperaturen (ERSST.v3b SST) in der Niño 3.4-Region (5° N - 5° S, 120° - 170° W) bezogen auf eine dreißigjährige Basisperiode, aktuell auf die Zeit von 1981-2010. Die Zuweisung zu einer der drei Phasen (kalt, neutral, warm) bezüglich der Meeresoberflächentemperaturen, erfolgt jeweils für eine Gruppe aus drei aufeinanderfolgenden Monaten. Die Abgrenzung von warmen (rot) und kalten (blau) Episoden erfolgt bei einem Schwellenwert von +/- 0,5 °C. Aus historischen Gründen werden voll ausgebildete kalte und warme Phasen dann als solche definiert, wenn der jeweilige Schwellenwert von mindestens 5 aufeinanderfolgenden Monatsgruppen erreicht wird.
Die 30-jährige Basisperiode wird neuerdings alle 5 Jahre fortgeschrieben, auch die alten Werte beziehen sich inzwischen auf andere Bezugsperioden und wurden deshalb geändert. Konkret bedeutet dies, dass ONI-Werte der Jahre 1950-1955 sich auf die Periode 1936-1965 beziehen, ONI-Werte der Jahre 1956-1960 beziehen sich demnach auf die Basisperiode 1941-1970 und so weiter.
Die Verwendung mehrerer, im 5-Jahres-Rhythmus nachgeführter Bezugsperioden ist dem globalen Erwärmungstrend geschuldet, der bei längerer Verwendung einer 30-Jahresperiode ein falsches Bild des Auftretens der drei ENSO-Phasen ergäbe. Dabei ist zu bedenken, dass es sich beim ONI um relative Temperaturwerte handelt, darum, dass eine bestimmte Region wärmer oder kälter als 'normal' ist.
| Historische El-Niño- und La-Niña-Episoden basierend auf dem ONI, berechnet mit ERSST.v5 Weiter zurückreichende Daten (1877-2001) zu den ENSO-Phasen finden Sie hier. Hinweis: Aufgrund des Hochfrequenzfilters, der auf die ERSSTv4-Daten angewendet wird (Huang et al. 2015, J.Climate), können sich die ONI-Werte bis zu zwei Monate nach der Veröffentlichung des ersten "Echtzeit"-Werts ändern. Daher sollten die neuesten ONI-Werte als Schätzung betrachtet werden. Quelle und aktuelle Version: NOAA National Weather Service CPC |
Nicht selten werden die Begriffe El Niño und ENSO gleichgesetzt, da ENSO in den Massenmedien weniger gebräuchlich ist. Korrekterweise sollte das Akronym um die Bezeichnung für den zweiten Typ von Extremepisoden erweitert werden, beispielsweise zu "LANENSO", für "La Niña-El Niño-Southern Oscillation", dies ist aber nicht üblich.
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Abweichungen des Luftdrucks (hPa) von Normal während El Niño bzw. La Niña Abweichungen der Luftdruckwerte von Normal in mb/hPa während El Niño- bzw. La Niña-Ereignissen. Die negative Phase der SO tritt während El Niño-Episoden auf und geht mit außergewöhnlich hohem Luftdruck über Indonesien und dem westlichen Pazifik einher. Entsprechend ist La Niña mit der positiven Phase der SO und gleichzeitigem tiefem Druck über dem westlichen tropischen Pazifik und hohem Druck über dem östlichen tropischen Pazifik verbunden. Quelle: NOAA |
Historische Messreihen ermöglichen mehr oder weniger genaue Rekonstruktionen der Meerestemperaturen bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Aber natürlich beginnt die Geschichte von ENSO nicht erst mit der Verfügbarkeit von Datenreihen. Will man noch weiter in die Vergangenheit, so muss man nach Spuren etwa in Baumringen, Sedimenten oder Eisbohrkernen suchen. Ein erster Schritt ist dabei die Identifizierung solcher Stellvertretergrößen (sogenannter Proxydaten), die besonders stark auf die Variable reagieren, für die man sich interessiert. Für ENSO können etwa Korallenfossilien, Baumringe oder Sedimente als Proxies verwendet werden.
Untersuchungen von Korallen-Bänken und Sedimentproben aus nordperuanischen Wüstengebieten scheinen ein Alter des El Niño-Zyklus von wenigstens 2 Millionen Jahren zu belegen. Es wird aber angenommen, dass der Zyklus mindestens 3-4 Millionen Jahre zurückreicht, wenn auch mit variierenden Frequenzen und Intensitäten. In dieser Zeit schloss sich der Isthmus von Panama und die Trennung von Atlantik und äquatorialem Pazifik war vollzogen. Das Atmosphäre-Ozean-Zirkulationssystem war davor vermutlich anders ausgeprägt. (vgl. CLIVAR-Poster ENSO Dynamics during the Last Glacial Maximum)
Eine Studie über das El Niño-Phänomen der vergangenen 21.000 Jahre zeigt, dass El Niño beträchtlichen Schwankungen unterworfen war und auf Klimaänderungen in komplexer Weise reagierte, wobei mehrere konkurrierende Faktoren in ihren variierenden Stärken ein Rolle spielten (Brown 2014; Liu Z et al. 2014). Eine Steigerung der Intensivierung von ENSO während der letzten ca. 6.000 Jahre wird angenommen (Moy et al. 2002; Conroy et al. 2008), verursacht durch orbitale Einflüsse; während der frühen Deglaziation veränderten Schmelzwasser-Ausbrüche im Nordatlantik die ENSO-Eigenschaften, und zunehmende CO2-Konzentrationen schienen ENSO abzuschwächen, wohingegen die zurückweichenden Eisschilde ENSO intensivierten.
ENSO - ENSO-ähnliche Erscheinungen in anderen Ozeanbecken
ENSO-ähnliche Erscheinungen über dem Atlantik und dem Indischen Ozean werden intensiv erforscht und diskutiert. Der Grund für die deutliche Ausprägung von ENSO über dem Pazifik liegt in dessen Größe.
Äquatoriale Wellen (Kelvin-Wellen und Rossby-Wellen), die in Ost- bzw. West-Richtung den Pazifik überqueren, benötigen dazu eine Zeit von 2-3 Monaten und beeinflussen sehr große Gebiete. Bei den großen Distanzen im Pazifik können letztlich auf den gegenüber liegenden Seiten völlig unterschiedliche Bedingungen herrschen, die in einem ausgeprägten Zyklus oszillieren. Im kleineren Atlantik und Indik kann sich weder ein solcher Kontrast noch eine derartige Oszillation aufbauen.
ENSO - Möglicher Einfluss der globalen Erwärmung
Eine Beeinflussung von ENSO durch den anthropogenen Treibhauseffekt wird gegenwärtig kontrovers diskutiert. Einzelne Untersuchungsergebnisse deuten an, dass es über Veränderungen in der Ozeanzirkulation zu einer Verstärkung der interannuellen Variabilität der Meeresoberflächentemperatur kommen könnte. Das heißt die Temperaturunterschiede von Jahr zu Jahr könnten zunehmen.
Der letzte IPCC-Bericht äußert geringes Vertrauen in Voraussagen zur künftigen ENSO-Entwicklung, auch wenn die Autoren sich sehr sicher sind, dass ENSO selbst weiter existieren wird (IPCC, 2013).
Inzwischen mehren sich aber die Positionen, die einen deutlichen Einfluss der globalen Erwärmung auf ENSO sehen. (s. Globale Erwärmung)
IPCC 2013: El Niño-Southern Oscillation
There is high confidence that the El Niño-Southern Oscillation (ENSO) will remain the dominant mode of natural climate variability in the 21st century with global influences in the 21st century, and that regional rainfall variability it induces likely intensifies. Natural variations of the amplitude and spatial pattern of ENSO are so large that confidence in any projected change for the 21st century remains low.
The projected change in El Niño amplitude is small for both RCP4.5* and RCP8.5 compared to the spread of the change among models. Over the North Pacific and North America, patterns of temperature and precipitation anomalies related to El Niño and La Niña (teleconnections) are likely to move eastwards in the future (medium confidence), while confidence is low in changes in climate impacts on other regions including Central and South Americas, the Caribbean, Africa, most of Asia, Australia and most Pacific Islands. In a warmer climate, the increase in atmospheric moisture intensifies temporal variability of precipitation even if atmospheric circulation variability remains the same. This applies to ENSO-induced precipitation variability but the possibility of changes in ENSO teleconnections complicates this general conclusion, making it somewhat regional-dependent.*A new set of scenarios, the Representative Concentration Pathways (RCPs), was used for the new climate model simulations carried out under the framework of the Coupled Model Intercomparison Project Phase 5 (CMIP5) of the World Climate Research Programme.
Quelle: IPCC, 2013: Climate Change 2013 - The Physical Science Basis (S. 106 f)
Unbestritten zählen die Vorgänge in Zusammenhang mit ENSO zu den auffälligsten kurzfristigen Klimaschwankungen. "Die Variabilität des Klimas ist grundsätzlich systemimmanent und resultiert aus den unterschiedlichen Interaktionen atmosphärischer Parameter mit den Klimafaktoren der Erdoberfläche" (Lauer 1999).
| ENSO-Niederschlag und seine Anomalien Das Hovmoeller-Diagramm zeigt die zeitlich-räumliche Variabilität des Niederschlags für den Breitenbereich O°-5° S. Deutlich erkennbar ist das Signal eines ENSO-Warmereignisses mit einerseits hohen Niederschlägen über dem südäquatorialen Pazifik, die sich bis nach Ecuador/Peru erstrecken, und andererseits einer Trockenregion um Indonesien (El Niños von 1982/83, 1986/87, 1991/92, 1997/98). Quelle: GPCC (persönliche Mitteilung) |
Weitere Informationen und Hinweise:
- Relevante Atlaskarten: Alexander GlobalAtlas für Baden-Württemberg (2004), S. 184; Diercke Weltatlas (2008), S. 189; Haack Weltatlas (2007), S. 222
- Das ENSO-Phänomen (MPI-Poster)
- A Little History - kurze Terminologiegeschichte (aus: Stewart 2008)
- What is El Niño and La Niña? - Fact Sheet (NOAA 2013)
- El Niño-Southern Oscillation (ENSO) – knapp und verständlich (nach ENSO Blog 2014)
- ENSO in a changing climate (Guilyardi, Eric et al. 2013)
- ENSO observing system: Past, present, and future (Kessler, Robert S. et al., NOAA 2015)
- El Niño: Catastrophe or Opportunity (Goddard, Lisa, Maxx Dilley, 2005. J. Climate, 18, 651–665)
- How Many ENSO Flavors Can We Distinguish? (Johnson, Nathaniel C. 2012)
- ENSO Diversity (U.S. CLIVAR VARIATIONS Summer 2013, Vol. 11, No. 2)
- In Watching for El Niño and La Niña, NOAA Adapts to Global Warming - Neue Bezugsperioden zur Bestimmung der ENSO-Episoden (NOAA 2013)
- The ENSO Signal and The Noise (L'Heureux, Michelle, NOAA 2014)
- Why are there so many ENSO indexes, instead of just one? (Barnston, Anthony, NOAA 2015)
- Climate Indices: Monthly Atmospheric and Ocean Time Series - Auflistung der ENSO- und anderer Klima-Indizes (NOAA)
- Understanding ENSO (4'-YouTube-Film von BOM, zusätzlich weitere gute Links; 15.12.2014)
- El Niño: A NASA Perspective (1 h YouTube-Film, 30.6.2016)
- ENSO-Blog (NOAA / Climate.gov)
- Monitoring ENSO (IRI)
- El Niño-Southern Oscillation (Dietmar Dommenget, YouTube-Film 2016)
- El Niño and La Niña prediction explained by climate scientists (YouTube-Film 2018)
- El Niño-Southern Oscillation complexity (Timmermann, Axel et al. 2018. In: Nature, 559, 535-554)







