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ENSO-Lexikon

ENSO-Lexikon

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Caatinga

Offener, lichter und laubwerfender Trockenwald vom Typ der Dornbaumsavanne in Mittel- und Südamerika. Im Nordosten Brasiliens bedeckt er weite Ebenen, die mit schwach hügeligem und stärker bewegtem Gelände abwechseln. Das Klima im Nordosten ist gleichmäßig warm, mit Temperaturen von 24 bis 26 °C. Die Niederschläge liegen zwischen 500 und 700 mm/a. Die humiden Monate sind Februar bis Mai, die Trockenzeit währt demnach acht Monate. Passate aus NO, O und SO wehen während der Trockenzeit am stärksten. Die Niederschlagsverlässlichkeit ist verhältnismäßig gering. Insbesondere bei El Niño-Ereignissen kann es zu verheerenden Dürren kommen.
Tiefgründig verwitterte Böden wechseln mit Rohböden ab. Sandige Bodenarten überwiegen und haben einerseits steinige, andererseits auch schluffige Beimengungen.
Neben Mimosen kommen zahlreiche Palmen, Dorngewächse und Sukkulenten vor, deren Lebensform auf die ariden Verhältnisse hinweist.

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Juazeiro

Der immergrüne Juazeiro (Zizyphus juazeiro) gilt als Charakterbaum des Caatinga-Trockenwaldes (südwestlich Garanhuns/Brasilien)

Großer Flaschenbaum

Großer Flaschenbaum (Cavanillesia arborea) vor dem Caatinga-Trockenwald (Coribe, Santa Maria da Vitoria/Brasilien)

Quelle: Seibert, Paul (1996): Farbatlas Südamerika, Stuttgart
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Dornige Bromeliaceen

 

Dornige Bromeliaceen wie Encholirium spectabile und Kakteen sind ein wesentlicher Bestandteil der Bodenvegetation (nordöstlich Petrolina/Brasilien).

Quelle: Seibert, Paul (1996): Farbatlas Südamerika, Stuttgart

 

Die Landnutzung steht unter dem Einfluss der lang anhaltenden und unregelmäßig intensiv auftretenden Dürre. Katastrophale Trockenheit, Missernten, verdurstende Viehbestände, Menschen, die von der Trockenheit und vom Hunger vertrieben werden, prägen ebenso das Bild vom brasilianischen Nordosten, wie auch gelegentliche Starkniederschlagsereignisse.
Im semiariden Innern der Caatinga ist die Viehhaltung (Rinder und Ziegen) die wichtigste Landnutzung. Sie wird in freier Triftweide, aber auch auf eingezäunten Ansaatflächen betrieben. Angebaut werden Baumwolle, Sisal, Erdnuss, Opuntien und in den feuchteren Teilen auch Reis, Maniok u.a. tropische Früchte. Forstwirtschaftlich ist die Caatinga von geringer Bedeutung.

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Weidelandschaft in der Caatinga

 

Allenthalben sind noch Gebüsche und Reste des Trockenwaldes erhalten (Coribe - Santa Maria da Vitoria/Brasilien)

Quelle: Seibert, Paul (1996): Farbatlas Südamerika, Stuttgart

 

CENSOR

Engl. Akronym für Climate variability and El Niño Southern Oscillation: Implications for natural coastal Resources and management, dt. 'Klimavariabilität und El Niño-Luftdruckoszillation der Südhalbkugel: Auswirkungen auf natürliche Küstenresourcen und Management'. Unter Leitung des Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven sollen die vorhandenen Informationen über das küstennahe Ökosystem vor Südamerika zusammengetragen, in Datenbanken erfasst und der Wissenschaft, dem Fischereimanagement, politischen Entscheidungsträgern sowie der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dies wird mit Handlungsvorschlägen für Politiker und Fischereigenossenschaften verbunden sein. Gleichzeitig sollen Arbeiten auf See und im Labor an verschiedenen Orten entlang der Pazifikküste durchgeführt werden.

Eine Kombination von Daten aus der Geschichte und aktuellen Ergebnissen soll als biologisches Vorhersageinstrument für El Niño genutzt werden, um die lokalen Fischer vor Südamerika frühzeitig vor den katastrophalen Auswirkungen zu warnen und den negativen Effekt zu mildern. Zudem sollen positive Auswirkungen auf marine Ressourcen in Zukunft besser genutzt und Alternativen zur herkömmlichen Fischerei entwickelt werden.

Die Datenbank wird auch sog. graue Literatur umfassen, die als eine der wichtigsten Quellen naturwissenschaftlichen Wissens angesehen wird. Dazu zählen Semester- und Diplomarbeiten, Notizbücher und andere nicht veröffentliche Texte aus dem universitären Umfeld. CENSOR sammelt diese Daten, sichtet sie und bringt sie in ein einheitliches Format. Sie werden dann im Weltdatenzentrum für marine Umweltwissenschaften (WDC-MARE) archiviert und zugänglich gemacht.

Letztendlich zielt das Projekt darauf ab, neue Managementstrukturen für die marinen Ressourcen eines Küstenökosystems zu entwickeln, das unter dem Einfluss häufiger und starker Klimaschwankung steht. In die zukünftigen Modelle sollen neben der Ökologie von Organismen und Umweltfaktoren auch sozioökonomische Parameter einfliessen. Das Projekt Censor hat am 1. Oktober 2004 begonnen und wird eine Laufzeit von vier Jahren haben. Neben dem AWI sind an dem interdisziplinären Projekt das Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen beteiligt, das GeoForschungszentrum in Potsdam, Institute aus Frankreich und Spanien sowie Partner aus Chile, Peru und Argentinien.

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Chaostheorie

Eine mathematische Theorie, die sich mit Systemen befasst, deren Verhalten scheinbar regellos ist, obwohl ihre Komponenten durch eindeutige Gesetze beherrscht werden. Die Natur zeigt eine Tendenz zu chaotischem Verhalten. So entwickeln großräumige Wettersysteme ungeordnete Strukturen, wenn sie mit komplexeren örtlichen Systemen in Wechselwirkung stehen.

In Bezug auf das ENSO-Phänomen hat man versucht, die Chaostheorie z.B. zur Erklärung der Telekonnektionen heranzuziehen. Eine gewisse Zurückhaltung scheint dabei geboten, da es in vielen Fällen möglicherweise doch plausiblere Erklärungen gibt, die einfach noch nicht gefunden sind. Außerdem bezieht sich die Chaostheorie mehr auf einmalige Ereignisse, wobei aber El Niño durchaus auch viele wiederkehrende Auswirkungen hat, die eben doch im Gegensatz zur obigen Definition nicht regellos zu sein scheinen.

Daneben versucht man auch das schnelle Auftreten von El Niño-Ereignissen und den abrupten Übergang zu La Niña-Bedingungen mit der Chaostheorie zu erklären.

Chlorophyll

Derjenige Farbstoff von Pflanzen, der ihnen ihre grüne Farbe verleiht und das zur Photosynthese notwendige Licht absorbiert. Die intensive grüne Farbe rührt von der starken Absorption des Chlorophylls im roten und blauen Spektralbereich. Aus diesem Grund erscheint das Licht, das vom Chlorophyll reflektiert und ausgesandt wird, grün. Chlorophyll ist in der Lage, Energie des Sonnenlichts über die Photosynthese in chemische Energie zu verwandeln. In diesem Prozess wandelt die vom Chlorophyll absorbierte Energie Kohlendioxid und Wasser in Kohlenhydrate und Sauerstoff um.

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Chlorophyllkonzentration als Maß für die Phytoplanktondichte in den Ozeanen

Phytoplankton tritt besonders dicht auf in hohen Breiten und in Auftriebsgebieten entlang des Äquators und entlang von Küsten (gelb in der Grafik, hohen Chlorophyllwerten entsprechend). Es ist gering konzentriert in weiten Teilen der hohen See (kräftiges Blau), wo die Nährstoffgehalte gering sind. Die Karte zeigt die durchschnittliche Chlorophyllkonzentration der Weltmeere von Juli 2002 - Mai 2010. Die Grafik wurde von NASA-Mitarbeitern auf der Basis von Daten des Instruments MODIS erstellt, das sich an Bord der Satelliten Aqua und Terra befindet.

View animation: small (5 MB) large (18 MB). - NASA image by Jesse Allen & Robert Simmon, based on MODIS data from the GSFC Ocean Color team.

Quelle: NASA Earth Observatory

 

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Climate Engineering

Oft synonym mit Geoengineering gebrauchter Begriff für vorsätzliche und großräumige Eingriffe mit technologischen Mitteln in geochemische oder biogeochemische Kreisläufe der Erde. Climate Engineering umfasst sowohl Technologien zur ursächlichen Rückführung als auch Technologien zur symptomatischen Kompensation des anthropogenen Klimawandels. Die ersten werden als Carbon Dioxide Removal (CDR) bezeichnet, da die atmosphärische CO2-Konzentration gesenkt wird; die zweiten werden als Radiation Management (RM ) bezeichnet, da die Strahlungsbilanz und damit die Temperatur direkt beeinflusst wird. CDR-Technologien zielen darauf ab durch biologische, chemische oder physikalische Prozesse atmosphärisches CO2 durch den Ozean oder die terrestrische Biosphäre aufnehmen zu lassen bzw. direkt geologisch zu speichern. Bei RM -Technologien wird entweder die kurzwellige Sonneneinstrahlung auf die Erde reduziert bzw. deren Reflektion erhöht oder die langwellige thermische Abstrahlung ins Weltall erhöht.

Die Bewältigung des Klimawandels ist eine Kernaufgabe des 21. Jahrhunderts. „Climate Engineering“ scheint hier auf den ersten Blick einen neuen Ausweg zu eröffnen. Entsprechende technologische Verfahren erzielen in jüngster Zeit eine erhöhte Aufmerksamkeit – insbesondere auf internationaler Ebene. Von einer großflächigen Erprobung oder gar Umsetzung ist Climate Engineering allerdings noch weit entfernt. Eine zuverlässige Bewertung der diskutierten Verfahren ist überaus schwierig – nicht zuletzt aufgrund der Neuartigkeit, der ökologischen Eingriffstiefe und der weit reichenden politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen. Ob Climate Engineering eine Ergänzung zum Klimaschutz und zur Anpassung an nicht mehr vermeidbare Klimaveränderungen bilden könnte und sollte, ist noch völlig offen.
Climate Engineering wirft zahlreiche Fragen von grundsätzlicher Bedeutung auf: Welche Vorschläge sind wissenschaftlich realistisch? Lassen sie sich technisch umsetzen und wie wirksam werden sie voraussichtlich sein? Mit welchen Wechsel- und Nebenwirkungen (z. B. im Klimasystem) müssen wir rechnen? Wie weit lösen sich Effizienzvorteile einzelner Verfahren bei einer umfassenden gesamtwirtschaftlichen Betrachtung auf? Wird Climate Engineering zur Belastungsprobe für die Gesellschaft und die internationalen Beziehungen? Ist ein gezielter Eingriff in das Erdsystem ethisch überhaupt zulässig bzw. verantwortbar?

Hinsichtlich ENSO ist völlig ungeklärt, ob z.B. das Einbringen reflektierender Materialien nicht nur zu einer Absenkung der globalen Temperatur führte, sondern unbeabsichtigte weitere Folgen nach sich zöge, etwa verstärkte El Niño- Ereignisse, die besonders einzelne Länder träfen.

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Ausgewählte Verfahren des Climate Engineering

Sind direkte, großtechnische Eingriffe in den Strahlungshaushalt oder den Kohlenstoffkreislauf der Erde potentielle Mittel gegen die globale Erwärmung? Oder ist dieses "Climate Engineering" wegen möglicher und kaum kalkulierbarer Nebenwirkungen abzulehnen? Ein interdisziplinär zusammengesetztes Expertenteam hat im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) den aktuellen Kenntnisstand erstmals wissenschaftlich umfassend zusammengetragen.

Die Wissenschaftler haben insgesamt sechs Sondierungsstudien aus verschiedenen Perspektiven erstellt (Naturwissenschaften, internationales Recht, Ethik sowie Wirtschafts-, Gesellschafts- und Politikwissenschaften). Der Gesamtbericht liefert zusätzlich eine übergreifende Bestandsaufnahme und Bewertung.

Die Sondierungsstudien kommen zwar zu dem Ergebnis, dass einige der Konzepte für Climate Engineering zumindest auf dem Papier den Treibhauseffekt abschwächen beziehungsweise die Erderwärmung mindern können. "Allerdings", so Studienkoordinator Prof. Gernot Klepper vom Kiel Earth Institute, "sind vermutlich alle Vorschläge mit erheblichen ökologischen Risiken und Nebenwirkungen, ökonomischen Kosten und gesellschaftlichen Konfliktpotentialen verbunden."

Quelle: BMBF

 

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CLIVAR

Engl. Akronym für Climate Variability & Predictability; ein internationales Programm zur Erforschung von Klimavariabilität und -vorhersage in Zeitskalen von Monaten bis Dekaden sowie der anthropogenen Klimabeeinflussung. CLIVAR wurde als eine der wichtigsten Komponenten des World Climate Research Programme 1995 begonnen und hat eine Laufzeit von 15 Jahren.

Beachten Sie die CLIVAR-Poster und Transparencies im Anhang.

Nähere Informationen finden Sie im Internet unter: http://www.clivar.org.

Coccolithophoriden

Marine, einzellige Algen, die winzige kalzitische Schuppen, die Coccolithen, ausbilden. Die Coccolithophoriden gehören zum Kalknannoplankton (nano: griechisch für Zwerg), das die heterogene Gruppe aller planktischen kalkigen Fossilien kleiner als 30 µm umfasst. Dabei bilden den mit Abstand dominierenden Anteil an den Nannofossilien. So sind Coccolithophoriden trotz ihrer winzigen Größe von nur 3 bis 30 µm (1 µm = 0,001 mm) eine der bedeutenden Gruppen des marinen Phytoplanktons insgesamt. Sie kommen in der lichtdurchfluteten Zone aller Weltmeere vor und erreichen ihre größte Artenvielfalt in den nährstoffarmen "ozeanischen Wüsten" der Tropen und Subtropen. Da sie im Ozean in großen Mengen auftreten, gehören Coccolithophoriden zu den wichtigsten Primärproduzenten der marinen Ernährungskette.

Zur Altersbestimmung von Sedimenten sowie als Indikatoren von Paläoumweltbedingungen sind Coccolithophoriden ein wichtiges Instrument in der Forschung und den angewandten Geowissenschaften.

Coccolithophoriden stehen an der Basis der marinen Ökosysteme und stellen eine der bedeutenden Phytoplanktongruppen der Weltozeane dar. Sie spiegeln die ozeanographischen Verhältnisse wider, da sie in Häufigkeiten und Artenzusammensetzung neben biotischen Faktoren von den physikalischen und chemischen Eigenschaften des Meerwassers abhängig sind. Über das Stoffwechselprodukt Dimethylsulfid ((CH3)2S), welches nach der Oxidation in der Atmosphäre als Kristallisationskeim dienen kann, tragen sie zur Wolkenbildung bei. Es besteht daher über den globalen biogeochemischen Kreislauf ein Zusammenhang zwischen Häufigkeiten von Coccolithophoriden und dem Wetter- und Klimasystem.

Darüber hinaus beeinflussen diese kleinen Karbonatproduzenten den globalen Kohlenstoffkreislauf. Sie brauchen Kohlenstoffdioxid (CO2) um Photosynthese durchführen zu können, aber sie geben dieses Treibhausgas ebenso bei der Produktion der Kalkblättchen (Coccolithen) ab, dieser Vorgang ist Teil der sogenannten Karbonatpumpe. Wenn die Algen absterben, sinken ihre Coccolithen, und damit der eingeschlossene Kohlenstoff,  auf den Meeresboden (organische Pumpe). Daher sind Coccolithophoriden wichtige "Akteure" in der Gestaltung des globalen Klimas.

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Massive Algae Bloom off Patagonia captured by the Modis Spectroradiometer on NASA’s Aqua satellite on Dec. 21, 2010. Off the coast of Argentina, two strong ocean currents recently stirred up a colorful brew of floating nutrients and microscopic plant life just in time for the Southern Hemisphere's summer solstice. Scientists used seven separate spectral bands to highlight the differences in the plankton communities across this swath of ocean.

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Quellen: NASA; Earthguide

 

 

Like all coccolithophores, Emiliania huxleyi is covered with uniquely ornamented calcite disks. Emiliania huxleyi lives near the surface of the world's oceans. Being photosynthetic, coccolithophores live in the photic zone. Individual plates of this organism are common in marine sediments although complete specimens are more unusual.
In the case of Emiliania huxleyi, not only the shell, but the soft part of the organism may be recorded in sediments. Emiliania huxleyi produces a group of chemical compounds that are very resistant to decomposition. These chemical compounds, known as alkenones, can be found in marine sediments long after other soft parts of the organisms have decomposed. Alkenones are used by earth scientists as a clue to past sea surface temperatures.

In höheren Breiten können spezielle Arten saisonal gewaltige Blüten erzeugen. Auf Hunderten von Quadratkilometern leben dann temporär Millionen von Individuen in jedem Liter (!) Meerwasser. Wenn Coccolithophoriden optimale Wachstumsbedingungen vorfinden, treten sie so gehäuft auf, dass es zu sogenannten Blüten kommen kann. Besonders die Art Emiliania huxleyi erreicht enorm hohe Zellkonzentrationen, Blüten breiten sich dann über große Gebiete aus. Während dieser Blüte kommt es oft zu einer Überproduktion an Coccolithen welche abgeworfen werden und frei im Wasser schwimmen. Diese Coccolithen sind verantwortlich für eine starke Rückstreuung des Lichts, dadurch sind diese Blüten auf Satellitenbildern sichtbar.

Weitere Informationen: What is a Coccolithophore? (NASA Earth Observatory)

Corioliskraft

Wenn sich ein Teilchen auf der drehenden Erde von einem Punkt zum anderen bewegt, wird es abgelenkt. Die Kraft, die dies bewirkt, wird Corioliskraft genannt (nach Gaspard Gustave de Coriolis, 1835). Auf der Nordhalbkugel lenkt sie ein bewegtes Teilchen nach rechts ab, auf der Südhalbkugel nach links. Für einen Beobachter, der sich nicht auf der drehenden Erde befindet, bewegt sich das Teilchen aber geradlinig durch den Raum. Es wird also nur bezüglich der Erdoberfläche nach rechts bzw. nach links abgelenkt, nicht aber gegenüber dem nicht mitdrehenden Beobachter.

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Corioliskraft

Animation

Quelle: SF Meteo

Beispiel: Die Erde dreht sich in 24 Stunden einmal um ihre eigene Achse. Ein Punkt, der sich fix auf der Erdoberfläche am Äquator befindet, hat deshalb eine Drehgeschwindigkeit von 1669 km/h. Ein fixer Punkt am Nordpol hat die Drehgeschwindigkeit 0 km/h. Schauen Sie nun auf den Nordpol und die drehende Erde hinunter. In der Nähe des Nordpols läge ein Luftpaket, das sich bezüglich der Erdoberfläche nicht bewegt, also mit der Erde dreht. Diesem Paket geben Sie nun einen Stoss (siehe animierte Grafik), so dass es sich nach Süden bewegt. Während es dies tut, dreht die Erdoberfläche unter ihm immer schneller, je näher es dem Äquator kommt. Das Luftpaket selber hat aber immer noch die gleiche kleine Drehgeschwindigkeit, die es am Nordpol hatte. Es wird, bezogen auf die Erdoberfläche, nach rechts abgelenkt und beschreibt auf der Erdoberfläche einen Bogen. Bezüglich des Randes der Grafik (der nicht mitdreht) und Ihnen als ortsfestem Beobachter beschreibt das Paket eine Gerade. Daraus wird deutlich, dass die Corioliskraft eine Scheinkraft ist (also keine Arbeit verrichtet), die nur im rotierenden System auftritt.

Es ist eine Übertreibung, zu sagen, die Corioliskraft sei in Äquatornähe generell vernachlässigbar klein. Das Upwelling von kälterem Ozeanwasser in Äquatornähe ist ein Beispiel für die trotz ihres dort geringen Zahlenwertes entscheidende Bedeutung der Corioliskraft. (vgl. Auswirkungen auf die Fischwelt)

Die Corioliskraft ist einer der Gründe, warum Luftteilchen nicht geradlinig vom Hoch in das Tief hinein strömen, sondern Hoch und Tief umströmen und sich in einer Spiralbewegung aus dem Hoch hinaus winden (im Uhrzeigersinn auf der Nordhalbkugel) und sich ebenso in einer Spiralbewegung ins Tief hinein bewegen (gegen den Uhrzeigersinn auf der Südhalbkugel).

Am deutlichsten wird die unterschiedliche Umströmungsrichtung in den Wolkengebilden von Hurrikanen. Betrachten Sie dazu die MPEG Animation der Hurrikane Mitch (N-Hk) und Eline (S-Hk) im Anhang. (Quelle der MPEG-Animation: Dipl.-Met. Thomas Dümmel, FU Berlin, Institut für Meteorologie, Meteorologische Informations- und Kommunikationssysteme; erstellt mit dem Programm "terra3D")

CTD

Engl. Akronym für Conductivity (Leitfähigkeit), Temperature (Temperatur), Depth (Tiefe). Es steht für das ozeanographische Standardinstrument zur Messung der o.g. Parameter. Aus der Leitfähigkeit wird unter Berücksichtigung von Temperatur und Druck der Salzgehalt ausgerechnet. Ein CTD-System besteht meist aus einem Unterwassergerät mit Sonde, Kranzwasserschöpfer und Bodenabstandsmessgerät, aus einem Sensor zur Messung der Sauerstoffkonzentrationaus einem Einleitertragekabel mit Winde und aus einer Bordeinheit zur Stromversorgung, Schöpferauslösung und Datenerfassung.

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CTD Rosette

Die CTD-Rosette (von englisch Conductivity, Temperature, Depth, „Leitfähigkeit, Temperatur, Tiefe“) ist eine Sonde für Tiefseeuntersuchungen.
Sie wird üblicherweise durch Ozeanographen von Forschungsschiffen an einem langen Seil in mehrere tausend Meter Wassertiefe abgesenkt („gefiert“).
Die Rosette besteht aus einem zylinderförmigen Gestell, bestückt mit Sensoren für Temperatur, Leitfähigkeit und Wasserdruck. Daraus können weitere Grundparameter Dichte, Salzgehalt und Wassertiefe errechnet werden. Zusätzliche Sensoren wie z. B. Trübungsmesser, Sauerstoffmesser und akustische Strömungsmesser können angebracht werden.
Beim Heraufziehen der CTD-Rosette aus großer Wassertiefe können Wasserschöpfer in verschiedenen Wassertiefen geschlossen werden. Somit können diese Proben entsprechend den jeweiligen Wassertiefen auf Spurenstoffe und Kleinstlebewesen untersucht werden.

Quelle: NOAA / Wikipedia
 
Cumulonimbus

Eine Wolkenart, die sehr dicht und vertikal ausgerichtet und meistens mit Niederschlag und häufig mit Gewittern verbunden ist. Der Begriff ist abgeleitet von lat. cumulus = Anhäufung und nimbus = Regenwolke; die fachliche Abkürzung ist Cb.

Die Cumulonimbus ist die wohl eindrucksvollste Wolkenformation. Der Niederschlag bildet sich als Folge von intensiver Konvektion warm-feuchter und instabiler Luftmassen. Dazu wird bodennahe Luft von der sonnenbeschienenen Erdoberfläche erwärmt, steigt auf und kühlt in höheren Luftschichten ab infolge von Ausdehnung und geringeren Drucks (adiabatische Abkühlung). Dieser Konvektionstyp tritt in den Tropen ganzjährig auf, in höheren Breiten im jeweiligen Sommer.

Wenn gleichzeitig ausreichend Feuchtigkeit in der Atmosphäre vorhanden ist, wird der gasförmige Wasserdampf kondensieren, es bilden sich Wassertröpfchen und Eiskristalle. Bei der Kondensation wird fühlbare Wärme frei, die ihrerseits die Konvektion verstärkt. Dies führt zu den charakteristischen vertikalen Wolkentürmen. Wenn genügend Feuchtigkeit vorhanden ist, die kondensieren und Energie freisetzen kann, vermag die Wolkenmasse mehrere Kondensationszyklen zu durchlaufen und in den Tropen Höhen von bis zu 20 km erreichen. Spätestens dann erreichen die Wolken den Grenzbereich von Troposphäre und Stratosphäre, die Tropopause.

Die Tropopause ist durch eine markante Temperaturinversion gekennzeichnet, d.h. die Temperatur nimmt oberhalb der Tropopause nicht weiter ab sondern zu. Daher kann die Wolkenmasse nicht weiter aufsteigen, und ihre Oberseite verbreitet sich seitlich und flacht ab. So kommt die typische Ambossform der Wolken zustande.

Das Foto unten wurde von Astronauten an Bord der ISS aufgenommen. Die ISS befand sich zum Aufnahmezeitpunkt über dem westlichen Afrika in der Nähe der Grenze von Senegal zu Mali. Die Aufnahme zeigt eine voll entwickelte Ambosswolke von schräg oben und zahlreiche kleinere Cumulonimbus-Türme in ihrer Umgebung. Die großen Energiemengen solcher Erscheinungen bringen unwetterartige Niederschläge, Gewitter und hohe Windgeschwindigkeiten mit sich.

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Ambossgestalt einer idealen Cumulonimbus

Das Astronautenphoto ISS016-E-27426 wurde am 5. Februar 2008 mit einer Kodak 760C Digitalkamera und einem 400 mm Teleobjektiv aufgenommen. Das Foto wurde vom ISS Crew Earth Observations experiment zur Verfügung gestellt.

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Quelle: NASA Earth Observatory

 

Aufriss einer Cumulonimbuswolke

Quelle: unbekannt, um Hinweis wird gebeten

 

 

 

 

Cyanobakterien

Morphologisch heterogene Gruppe der phototrophen Bakterien, die früher aufgrund morphologischer und physiologischer Merkmale den Algen zugeordnet wurden. Molekularbiologische Untersuchungen ergaben jedoch eine eindeutige Zuordnung zu den Bakterien. Von anderen phototrophen Bakterien unterscheiden sie sich dadurch, dass sie oxygene Phototrophe sind, d.h. dass bei der Photosynthese Sauerstoff freigesetzt wird. Etwa 2000 Arten von Cyanobakterien sind benannt, die in fünf bis sieben Ordnungen eingeteilt werden.

Einige Cyanobakterien enthalten neben anderen Photosynthese-Farbstoffen blaues Phycocyanin, ihre Farbe ist deshalb blaugrün. Darum wurden sie „Blaualgen“ genannt und diese Bezeichnung wurde für alle Cyanobakterien verwendet – auch für diejenigen, die kein Phycocyanin enthalten und nicht blaugrün gefärbt sind. Cyanobakterien besitzen im Gegensatz zu Algen keinen echten Zellkern und sind somit als Prokaryoten nicht mit den als „Algen“ bezeichneten eukaryotischen Lebewesen verwandt.

Cyanobakterien besiedeln vermutlich seit mehr als 3,5 Mrd. Jahren (Archaikum) die Erde und zählen damit zu den ältesten Lebensformen überhaupt. Es ist wahrscheinlich, dass Vorläufer der heutigen Cyanobakterien die ersten Sauerstoff erzeugenden phototrophen Organismen auf der Erde waren und für die Umwandlung der ursprünglich sauerstofflosen (anoxischen) in eine sauerstoffhaltige (oxische) Erdatmosphäre verantwortlich sind. Das heißt, sie nutzten das Sonnenlicht zur Photosynthese und setzten als Abfallprodukt Sauerstoff (O2) frei.

Lebensraum der Cyanobakterien sind überwiegend das Süßwasser und feuchter Boden, aber auch Meereswasser, Baumrinde und Gesteinsoberflächen. Durch Massenentwicklung in Gewässern kommt es zur Wasserblüte. Auch in Wüsten kommen Cyanobakterien vor; dort bilden sie Krusten auf der Oberfläche, die jedoch nur in der feuchten Jahreszeit wachsen.