Auswirkungen von ENSO auf die Fischwelt

Der Fischreichtum vor der Westküste Südamerikas

Vor den Küsten Perus liegt einer der ertragsreichsten Fischgründe der Welt. Der kalte Humboldtstrom transportiert hier Wassermassen küstenparallel von Süden nach Norden. Ablandige und küstenparallele Winde treiben mit Hilfe des Ekmantransports das Oberflächenwasser seewärts. Ausgleichend steigt nährstoffreiches Tiefenwasser an der Schelfkante nach oben. Solche Auftriebsregionen (upwelling systems) werden daher durch nähr-und sauerstoffreiches, kühles und turbulentes Wasser geprägt – ideale Voraussetzungen für die massenhafte Vermehrung großer Phytoplanktonarten wie Diatomeen, die anderswo absinken würden. Die Phytoplanktonblüte ernährt Filtrierer wie die peruanische Sardelle (Anchovis). Sie lebt innerhalb einer 80-km-Zone vor der Küste und bildet vor allem im Oberflächenwasser riesige Schwärme. Große Diatomeen des Phytoplanktons machen bis zu 98 % ihrer Nahrung aus. Die Sardelle zieht wiederum Räuber wie Raubfische, Wasservögel und Meeressäuger an. Zooplankton spielt eine geringe Rolle, die Nahrungskette ist also verkürzt. Auftriebsregionen sind enorm produktiv und bringen deutlich mehr Fisch pro Flächeneinheit hervor als andere Ozeangebiete.

ENSO, die weltweit stärkste, immer wiederkehrende natürliche Klimaschwankung stört mit seiner warmen Phase (El Niño) das marine Kaltwasser-Ökosystem Humboldtstrom - eines der produktivsten Systeme weltweit: planktische Algen sterben ab, Fische finden keine Nahrung, und Seevögel und Robben keine Fische mehr. Der Zusammenbruch des Nahrungsnetzes in El Niño-Zeiten führt erfahrungsgemäß zu einem deutlichen Rückgang der Nutzfischbestände und zu einem drohenden Zusammenbruch der Fischerei.

Was sind überhaupt Auftriebswässer?

Auftriebswässer sind Wassermassen, die aus 50 bis maximal 300 m Tiefe an die Oberfläche gelangen, weil dort durch bestimmte - wind- und reliefbedingte - Strömungsverhältnisse Wasser horizontal verfrachtet wird und das entstehende Defizit aus Kontinuitätsgründen durch den Zustrom ausgeglichen werden muss.

Gebiete mit diesem - im Englischen "upwelling" genannten - Vorgang finden sich einerseits an den Grenzen der großen Ozeane zu den N-S-verlaufenden Kontinenten, andererseits teilweise entlang des Äquators, wo Wassermassen divergieren (auseinander strömen). Zur ersten Gruppe gehören die Gebiete vor Kalifornien, Peru, NW-Afrika und SW-Afrika. Äquatoriales Upwelling ist besonders in der östlichen Pazifikhälfte ausgeprägt.

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Äquatoriale Divergenz mit Upwelling und polwärtigem Massentransport

Easterly winds (red arrow) drag the surface water westward along the equator. The Earth's rotation deflects the westward current toward the right in the Northern Hemisphere and toward the left in the Southern Hemisphere, driving the surface water away from the equator and bringing up the water from below (upward arrows). In addition, the winds cause warm surface water to accumulate on the western side of the Pacific. Because of the lower density of the warmer water, sea level is about two feet higher on the western side of the basin then on the eastern side when the winds are blowing at full strength. The thermocline, which marks the boundary between warm surface water and cold deep water (darker blue), is tilted. It reaches almost up to the sea surface in the eastern equatorial Pacific.

 

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Kaltwasserast (grün) entlang des Äquators im Ostpazifik als Folge von Divergenz mit Upwelling

The map shows the sea-surface temperature pattern on May 31, 1988, when the equatorial Pacific was cold. The warmest water is indicated by the dark red and progressively cooler water by yellow and green. Note the "tongue" of recently upwelled water extending westward along the equator from the South American coast.

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Quelle: University of Washington
 

Damit sich küstennahes Upwelling einstellt, muss der Wind an den östlichen Ozeangrenzen generell äquatorwärts wehen, an den westlichen Ozeangrenzen polwärts, wobei diese zweite Situation deutlich seltener auftritt.

Entsprechend erklärt sich der vertikale und nicht horizontale Zustrom im ersten Typ von Auftriebsgebieten daraus, dass von der Landseite kein Wasser nachströmen kann, beim zweiten daraus, dass beim Divergenzvorgang Wasser einer äquatornahen O-W-Strömung horizontal nach N und S verfrachtet wird und deshalb die Flanken der Zone mit Massendefizit kein Wasser liefern können.

Auftriebsgebiete liefern ca. 90 % der weltweiten Fischanlandungen, bzw. 50 % des aus dem Meer stammenden Eiweisses, stellen aber nur ca. 1-3 % der Meeresoberfläche dar. Hierfür gibt es zwei Gründe. Der erste liegt in der Tatsache, dass Auftriebsgebiete Zonen mit hoher Primärproduktion sind. Die Produktion soll bis zu 10 g C m-2d-1 betragen. Für das peruanische Upwelling-System gelten etwa 0,6 g C m-2d-1 als typisch, wobei vor Kalifornien und NW-Afrika höhere Produktionsraten bestehen. Wegen seiner größeren Fläche ist aber das peruanische System das weltweit bedeutendste Fischereigebiet. Als zweiter Grund für den Fischreichtum in Auftriebsgebieten gilt deren Turbulenz und aufströmende Wasserbewegung. Diese Energie reicht aus, um großzellige, normalerweise rasch absinkende Diatomeen (>10 µm ø) und Dinoflagellaten schwebend in der euphotischen Zone zu halten. Und solch großzelliges Phytoplankton macht einen großen Anteil der Primärproduktion aus. Möglicherweise können die großen Phytoplanktonarten auch besser das große Nährstoffangebot verwerten, als ihre Konkurrenten.

Das Dominieren großer Planktonarten wiederum erlaubt es Fischen (z.B. Anchovis und Sardinen), sich direkt vom Phytoplankton zu ernähren unter Umgehung des sonst zwischengeschalteten Gliedes der Nahrungskette, des Zooplanktons. Die Verkürzung der Nahrungskette bedeutet letzlich eine bessere energetische Ausnutzung des an ihrem Anfang zur Verfügung stehenden Nährstoffangebotes.

Vor der südamerikanischen Westküste entstehen die Auftriebswässer durch die süd-/südöstlichen und damit küstenparallelen bis ablandigen Passatwinde, die das oberflächennahe Wasser über komplizierte physikalische Vorgänge (Ekman-Spirale) meerwärts treiben. Das stärkste Aufquellen findet nicht bei Südost-, sondern bei Süd-Winden statt. Der notwendige Wassernachschub erfolgt in Form des vertikalen Auftriebs ganzjährig aus Tiefen von bis zu 300 m (ø 130 m) mit einer Geschwindigkeit von 0,25 bis 0,75 m pro Tag, dauert also mindestens etwa viereinhalb Monate pro 100 m.

Das Auftriebswasser ist einerseits sauerstoffarm, andererseits  nitrat-, phosphat- und silikathaltig, mithin nährstoffreich. Es vermischt sich mit dem originären Wasser (Humboldtstrom), das aus der von Stürmen aufgewühlten Westwinddrift im Süden stammt und deshalb mit Sauerstoff geradezu aufgeladen ist. So verbinden sich Sauerstoff- und Nährstoffreichtum zu besten Voraussetzungen für eine ungewöhnlich reichhaltige Belebung im Bereich des Humboldtstromes. Der Küstenabschnitt von Nordchile über Peru bis nach Ecuador gilt als beispielhaft für ein Auftriebsgebiet. Beides – die Strömungsrichtung von Süden nach Norden und das Auftriebwasser – bedingen, daß der Humboldtstrom ein ausgesprochener kalter Wasserkörper ist.
"Kalt" bedeutet, dass die Wassertemperatur bei den Galapagos-Inseln (90° westl.L.) um 8°C tiefer liegt als bei der Insel Canton (170° westl.L.) auf etwa gleicher geographischer Breite: hier 28°C, dort nur 20°C.

Ein natürliches Indiz für den relativ kalten Meeresstrom ist die Abwesenheit von wärmeliebenden Korallen trotz tropischer Lage: Im Westen des Südpazifiks befindet sich die Korallensee mit dem Großen Barriereriff vor der australischen Ostküste, der geographischen Breite des Bereichs zwischen Nordchile und dem mittleren Peru im Osten des Ozeans. Korallen aber brauchen - neben bestimmten morphologischen Voraussetzungen - Wassertemperaturen von ständig mindestens 20°C. An der Westküste Südamerikas im Bereich des Humboldtstromes wird diese Temperatur meistens unterschritten - deswegen gibt es hier trotz tropischer Lage keinerlei Korallenvorkommen.

Karte der Auftriebsgebiete und Meeresströmungen

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Quelle: Unterricht Biologie 180/92

Eine Nahrungskette mit reichem Nachschub

Der erwähnte Nährstoffreichtum entstammt den bakteriellen Abbauprozessen der abgestorbenen und absinkenden Organismen. Die wichtigste "Vorratskammer" für diese Nährstoffe, abgesehen von den Flussmündungen mit starkem Oberflächenabfluss ist die Thermokline. Kleinorganismen, die nahe der Oberfläche abgestorben sind, zerfallen und werden remineralisiert. Gleiches geschieht mit den Fäkalien größerer Organismen. Auf diese Weise entsteht in der Thermokline ein Vorrat an Nährstoffen und remineralisiertem Kohlenstoff, der beim Auftrieb in die euphotische Zone dem Phytoplankton zur Verfügung steht. Auch horizontale Strömungen innerhalb der Thermokline vermögen Nährsalze und Kohlenstoff aus großen Entfernungen heranzutransportieren, bevor sie nach oben verfrachtet werden und in eng begrenzen Gebieten entlang des Äquators und von Küsten Primärproduktion erlauben.

Die dabei verfügbar werdenden Nährsalze gelangen wie in einem Lift mit dem Auftriebswasser an die Oberfläche, wo unter Mithilfe der reichlichen Sonneneinstrahlung massenhaft Plankton (70 % pflanzliches, 30 % tierisches Plankton) entsteht. Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass der Auftrieb tiefer als die Thermokline reicht.

Nahrungskette im Bereich des Humboldtstroms

Nahrungskette im Bereich des Humboldtstromes

Grafik: Daniela Hiller und Sandra Karch

Die Auftriebswässer treten nicht gleichmäßig innerhalb des Humboldtstromes auf, sondern sie erscheinen zumeist in Form von Wolken oder Wirbeln an der Oberfläche, das heißt in Schüben. Entsprechend ist auch das Plankton nicht gleichmäßig verteilt, sondern tritt in Ballungswolken verschiedener Größen auf, von einigen Metern bis zu einigen Kilometern Durchmesser. Folglich variiert die Verteilung der Fischschwärme der Anchovis.

Grundlage für die Ernährung aller Meerestiere ist letztendlich das pflanzliche Plankton (Phytoplankton). Vom Phytoplankton ernährt sich als zweite Stufe der Nahrungskette üblicherweise das tierische Plankton (Zooplankton), zu dem kleine Krebse, Flügelschnecken und Larven der Bodentiere sowie Fischlarven gehören. Als dritte Stufe folgen Fische, die vom Zooplankton leben, in Auftriebsgebieten sich häufig auch direkt vom Phytoplankton ernähren.

So erklärt sich aus dem hohen Nährstoffangebot über die große Planktonmasse, die verkürzte Nahrungskette und das turbulente Auftriebswasser letztlich der Fischreichtum vor den Küsten Perus und Chiles.

Es sind über 225 Fischarten im Humboldtstrom beschrieben, davon werden 74 fischereiwirtschaftlich genutzt; aber nur 10 Arten sind wirtschaftlich wichtig, darunter besonders Anchovis, Bonito, Makrele. Auch Wale, Haie, Thunfische, Aale, Flundern, Tintenfisch und Krabben werden genutzt.

Fangzahlen des peruanischen Anchovis

Fangzahlen des peruanischen Anchovis

Grafik: Nicolas Marschall

Die Fische sind wiederum die Nahrungsgrundlage für eine große Vogelwelt, die auf dem Land für bedeutende Guanolager oder auf küstennahen Inseln für bedeutende Ablagerungen von Guano sorgen.

Fischmehl statt Guano

"Until the early 1950s, no commercial Peruvian anchoveta fishery developed because the Guano Administration and Peruvian farmers blocked all attempts to develop such an industry. Their political power diminished, however, in the face of changing factors in Peru and North America. The Peruvian government was overthrown in the late 1940s and the new President favored a policy of economic development based on the export of Peru's natural resources. Also at that time, the California Pacific sardine fishery collapsed and entrepreneurs identified Peru as a place to unload idle fishing fleets and processing plants.
In the post-war period, there was an increasing demand for meat products in North America, increasing the demand for anchoveta fishmeal, a feed supplement for poultry, hogs, and cattle. In addition, such technological innovations as the nylon net spurred a meteoric rise in fish landings by the Peruvian anchoveta fishery; landings doubled each year until 1960."

Aus: Glantz, Michael H. (1984): Floods, Fires, and Famine: Is El Niño to Blame. In: Oceanus, Vol. 27, No. 2

Bitte beachten Sie auch die Abbildungen zu Formen des Planktons im Anhang.

Verwendung der Fangerträge

1. Fischmehl

Ungefähr 90% der Fangerträge Perus (laut FAO) werden zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet. Gemäß FAO wird Peru als weltweit größter Fischexporteur und Fischmehlerzeuger betrachtet. 4.000 Menschen sind am Verarbeitungsprozess beteiligt.

Fischmehlproduktion (Welt) in Mio. Tonnen

Fischmehlproduktion (Welt) in Mio. Tonnen

Die Angaben sind auch in tabellarischer Form verfügbar.

Grafik von Nicolas Marschall auf Basis von Daten der IFOMA

Aufgrund von El Niño sank die gesamte Fischmehlproduktion in den Haupterzeugerländern von 4,74 Mio t im Jahr 1996 auf 4,3 Mio t im Jahr 1997 und 1998 auf lediglich 3,0 Mio t. Inzwischen steht Fischmehl unter starkem Konkurrenzdruck durch Sojamehl.

Über das Wirkungsgefüge der Fischmehl-Produktion gibt es im Anhang eine erläuternde Grafik. Siehe auch: The production of fishmeal and fish oil from Peruvian anchovy (IFFO 2009)

Fishmeal and soybean meal prices
in Germany and the Netherlands

images/fishmeal_soybean_prices

Quelle: FAO - The State of World Fisheries and Aquaculture 2014

 

 

Notwithstanding annual fluctuations owing to anchoveta catches, overall, the production of fishmeal from whole fish has declined gradually since 2005. This decrease has been only partly offset by a growing share of fishmeal production obtained from fishery by-products. In contrast, overall demand continued to grow, pushing prices to historic highs until January 2013, with an increase of 206 percent between January 2005 and January 2013 to US$1 919/tonne. Between January 2013 and January 2014, prices declined by 20 percent. As soybean meal prices remained relatively stable during the same period, the growing price differential provided incentives for terrestrial farmers to substitute fishmeal with less expensive feed alternatives. China remains the main market, importing more than 30 percent of fishmeal in terms of quantity, while Peru and Chile are the major exporters.

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2. Fisch aus der Dose

Die Fischarten, die in der Dosenfisch-Industrie hauptsächlich verwendet werden, sind Bonitos.

Durch viele Arten von Fischen und Meeresfrüchten ergibt sich eine große Vielfalt bei der Produktion von Dosenfisch – im Gegensatz zu den Tiefkühlprodukten, wo es nur wenige Arten (die für sehr niedrige Temperaturen geeignet sind) gibt.

3. Gefrorener Fisch

Die wichtigsten Arten, die man in der Produktion von Tiefkühlwaren verwendet, sind folgende: Seehecht, Sardine, Riesentintenfisch, Aal, Thunfisch, Makrele, Delphin, Shrimps und Kattunmuscheln.

Perus Export von Fischprodukten
(Angaben in tausend Tonnen und f.o.b.-Preisen)
199019911992199319941995
in 1.000tin Mio. Dollarin 1.000tin Mio. Dollarin 1.000tin Mio. Dollarin 1.000tin Mio. Dollarin 1.000tin Mio. Dollarin 1.000tin Mio. Dollar
Gesamt1193,67406,751235,45501,751134,57517,721844,13621,442556,69901,542125,8936,67
traditionelle Produkte1150,47352,591200,81446,941112,51472,481815,33558,442504,69790,082071,3835,00
Fischmehl1113,85346,7449,38435,771088,30465,611689,27526,132273,83736,291860,2766,54
Fischöl36,625,8534,6411,1724,216,87126,0632,31230,8643,79211,168,46
Nichttraditionelle Produkte43,2054,1612,3254,8122,0645,2428,8063,052,00111,4354,5101,67
Dosenfisch20,2420,6422,3214,169,2814,698,4013,7313,9021,8622,828,76
Tiefkühlware22,3433,15040,6512,6530,3520,4049,2738,1089,5731,772,91
Trocken-Gesalzen0,620,37-00,130,2000000
Quelle: Ministry of Fishery – General Office of Fishing Economy, in: Al - Pesca, Lima 1996

Beachten Sie auch bitte die Abbildungen zu Fischereimethoden im Anhang.

El Niño – Knecht Ruprecht oder Nikolaus?

Die Auswirkungen von El Niño

Am 8. August 1997 fing der 58-jährige peruanische Fischer Narciso Gomez im Meer unweit vor Lima zwei sehr große Hammerhaie. Der Fang ließ Bauern, Fischer und Meteorologen um die nahe Zukunft fürchten. Denn normalerweise verirren sich diese Räuber nicht in den kalten Humboldtstrom.

Ende Juni wurde diese bösen Anzeichen auch von der Forschung bestätigt. Um mehr als fünf Grad habe sich am Äquator der Ostpazifik erwärmt, warnte die alarmierte US-Wetterbehörde NOAA.
Diese Erwärmung nennen die Peruaner – entsprechend der Jahreszeit, in der sie auftritt – recht liebreizend "El Niño" – der "Knabe", gemeint ist das Christkind. Denn das plötzlich wärmere Wasser hat zunächst die durchaus positive Auswirkung, daß die "dicken Fische" auf den weihnachtlichen Festtisch kommen, zu denen der Hammerhai, aber auch z. B. Thunfische gehören. Dieser lokale El Niño ist weitgehend folgenlos für Umwelt und Mensch.
Jedoch behaupten Biologen, dass die El Niño-Wetterbedingungen die Knappheit an Nahrung verursacht.
In unregelmäßigen Abständen – heute spricht man von fünf bis neun Jahren mit der Tendenz zu immer schnellerem Aufeinanderfolgenden – kann es zu einer Verschärfung des El Niño-Phänomens kommen, das zu gravierenden Störungen des dargestellten ökologischen Zusammenspiels von Nährstoff- und Sauerstoffreichtum im Kaltwasserstrom und der Nahrungskette Plankton – Fisch – Meeresvögel sowie den darauf aufbauenden wirtschaftlichen Aktivitäten Fischerei und Guanoabbau führt. Beispielsweise starben während des El Niños von 1982/83 ca. 85% der peruanischen Seevogelpopulation. Diese Folgen konnten erst nach Jahren wieder kompensiert werden.

Durch El Niño wird in solchen Extremjahren dem Plankton und damit allen weiteren Gliedern der Nahrungskette die Nahrungsgrundlage entzogen.

Was geschieht? Während eines El Niño drücken dynamische Vorgänge im Ozean die Thermokline im östlichen und zentralen äquatorialen Pazifik und entlang der Küste von Nord- und Südamerika nach unten. Die Passate als Motor des Kaltwasseraufstiegs werden schwächer oder bleiben aus. Die tiefer liegende Thermokline mit ihrer hohen Nährstoffdichte wird von den ohnehin abgeschwächten oder ausbleibenden Auftriebsvorgängen nicht mehr erfasst. An die Oberfläche gelangt nur noch warmes, nährstoffarmes Wasser, somit bricht der Nährstoffnachschub für die euphotische Zone ab. Die Primärproduktion wird geringer mit Folgen für die gesamte Nahrungskette, beginnend mit dem Zooplankton. Fische, Seevögel und Meeressäuger sterben oder wandern in die nährstoffreicheren Gebiete ab. Neuere Untersuchungen ergaben, dass der Mangel an gewohnten Fischarten in den warmen oberflächennahen Schichten weniger auf deren Absterben, als vielmehr auf ihr Ausweichen in tiefere und kühlere Wasserschichten zurückzuführen ist. Bei unterernährten Seevögeln und Meeressäugern kann es zu Fortpflanzungsstörungen kommen oder sie verlassen bei Nahrungsmittelknappheit ihren Nachwuchs.

Volkswirtschaftliche Folgen von El Niño für südostpazifische Küstenstaaten

Wegen dem ausbleibenden Nährstofflift suchen die Fischschwärme ihre Nahrung in größeren Tiefen oder wandern in kühlere Regionen ab, z.B. in chilenische Gewässer. Gleichzeitig müssen dann die Meeresvögel zu Millionen verhungern. Deswegen erleidet die Fischerei hohe Ertragseinbußen, die Fischmehlindustrie verliert ihren Grundstoff. Perus bedeutendes Exportgut erleidet Einbußen mit negativen Folgen für die Handelsbilanz, die Küstenbewohner verlieren ihre Lebensgrundlage und finden sich zwischen zwei Wüsten wieder, der Küstenwüste an Land und der plötzlichen Meereswüste im vorübergehend gewandelten Humboldtstrom.

An dieser Stelle ist der Hinweis wichtig, dass die Auswirkungen auf die Fischwelt und die Fischwirtschaft deutlich differenzierter sind, als hier dargestellt. Beispielsweise spielt die Überfischung bei Zusammenbrüchen von Fischpopulationen eine wesentliche Rolle. Für eine ausführliche Darstellung wird u.a. auf Arntz/Fahrbach (1991) verwiesen.

Weitere Folgen:

Zahlen für Chile 1997/98:

Zahlen für Ecuador 1997/98:

Das Beispiel Peru

Peru geht von einem volkswirtschaftlichen Schaden von 1,2 Mrd. $ infolge der 1997 dramatisch zurückgegangenen Fischfangerträge im Bereich des Humboldtstromes aus. Die Fischmehlproduktion sank gegenüber dem Vorjahr um ca. 0,3 Mio Tonnen auf 1,66 Mio Tonnen. Trotz der niedrigeren Produktion stiegen die Fischmehlexporte um 0,3 Mio Tonnen auf 1,96 Millionen Tonnen. Dieser Rekordexport verbrauchte die gesamten Fischmehlvorräte Perus. Gleichzeitig wurde der Inlandsverbrauch halbiert.

Mindererlöse konnten nicht durch höhere Preise kompensiert werden, da sich in Europa die Preise für Fischmehl wegen der seit Jahren zurückgegangenen Fangmengen in Chile und Peru und der unverändert starken Nachfrage inzwischen auf einem hohen Niveau eingependelt haben. Zudem nahm zur gleichen Zeit die Fischmehlproduktion in Europa zu.

Die peruanische Fischölproduktion sank drastisch von 415.000 Tonnen (1996) auf 280.000 Tonnen (1997). Dennoch waren auch hierbei die Exportzahlen höher als im Vorjahr.

Besondere Leidtragende waren die traditionellen Fischer, die 80 % der in Peru konsumierten Meerestiere bereitstellen. Ihre ohnehin dürftigen Einkünfte (unter 200 $/Monat) wurden weiter reduziert. 40 % ihrer Boote wurden durch El Niño-Stürme beschädigt. Nahezu 200 Landungsstege, lebenswichtige Infrastrukturen, wurden zerstört. Gleichzeitig haben besonders die traditionellen Fischer stark unter der Überfischung der peruanischen Gewässer zu leiden, die vor allem durch industrielle Fischerei verursacht wird. Hierzu trägt eine beträchtliche Zahl ausländischer Fischtrawler, insbesondere aus Korea bei, die praktisch keinen Kontrollen bezüglich des Schutzes der Fischbestände unterliegen.

Nach dem El Niño von 1997/98 war die FAO zunächst davon ausgegangen, dass es Jahre dauere, bis sich die Fischbestände wieder erholt haben. Die folgende Grafik zeigt ein positiveres Bild für die Folgejahre, aber auch einen erneuten starken Einbruch in 2010.

peru_fischproduktion
Gesamte Fischproduktion in Peru, inkl. Fang, Marikultur, Aquakultur. Quelle: FAO

Schon beim El Niño von 1972 brach die weltgrößte Fischereiwirtschaft aufgrund der Überfischung der peruanischen Sardelle ((Engraulis ringens) zusammen. Die Fischart ist die Grundlage der peruanischen Fischmehlproduktion, bei der Peru Weltmarktführer ist.

Während des El Niño-Ereignisses von 1982-83 wurden die Populationen von Bastardmakrelen und Sardellen reduziert, Jakobsmuscheln vermehrten sich im wärmeren Wasser, aber der Seehecht zog sich in kühlere Wasserschichten am Kontinentalabhang zurück, wohingegen Garnelen und Sardinen in den kühleren Süden auswichen.
Die Bestände an Pferdemakrelen haben sich bei Warmereignissen in der Region vermehrt. Die beschriebenen Veränderungen der Standorte von Fischen und der Fischarten stellen die Fischindustrie immer wieder vor große Herausforderungen.

Positive Folgen

Das erwärmte Wasser lockt "dicke" Fische, wie z.B. Hammerhai, Albacore, Dorado, Gitarrenfisch, Thunfisch, Butterfisch, Höckerfisch, und Kugelfisch in die Gewässer Perus, die dort normalerweise nicht zu finden sind. Daneben lässt sich eine ungewöhnliche Südwärtsausbreitung von Mollusken und Krustentieren beobachten. Die begehrten Pilgermuscheln, die normalerweise nur in geschützten Buchten zu finden sind, vermehren sich in El Niño-Jahren explosionsartig und übersäen die Strände Perus.
In früheren Jahren wurde gar der Begriff "años de abundancia" (Jahre des Überflusses) geprägt, da die niederschlagsbedingte Zunahme des Pflanzenwachstums in ariden Regionen die Landwirtschaft begünstigte oder da vorübergehend Binnenseen entstanden, die zeitweise eine bescheidene Fischwirtschaft ermöglichten. Während des Niño von 1997/98 entstand beispielsweise in der nordperuanischen Wüste ein See mit 185 Meilen Länge, 25 Meilen Breite und einer Tiefe von 10 m.

Weitere Informationen: Fishery and Aquaculture Country Profiles - The Republic of Peru (FAO 2014)

Über die Situation in Mexiko finden sich ausführliche Informationen im Anhang in der WMO Retrospektive auf Seite 46/47.

Weitere Informationen: